Hochmoselübergang - Institut bestätigt erhebliche geologische Risiken Ürzig/Zeltingen-Rachtig, 8.12.2011 Bereits während des Planfeststellungsverfahrens zum Hochmoselübergang vor 10 Jahren wurde auf die enormen geologische Risiken hingewiesen, die mit dem Bau der Hochbrücke sowie der autobahnähnlichen Trasse verbunden sind. Zurückzuführen ist dies auf die problematische Tektonik im Bereich der geplanten Brückenpfeiler einerseits und die dramatischen Eingriffe in den 'Moselsporn' andererseits. Es liegt nun eine Stellungnahme des renommierten geologischen Institutes "Geo-International" vor, die dies betätigt. Das Institut kommt zu dem Ergebnis, dass die bisher vorgenommenen Untersuchungen in keiner Weise ausreichen, um die vorhandenen Risiken angemessen zu beurteilen, geschweige denn auszuschließen. Geo-International über die bisher vorliegenden Untersuchungen: "Die sehr schwierigen Baugrundverhältnisse wurden eindeutig erkannt. - Die gewonnenen Erkenntnisse sind bei derartigen Großbauprojekten als Vorerkundungsergebnis zu werten. Es hätte als nächster Schritt nicht "ein geeignetes Messprogramm" "während der Bauphase" empfohlen werden müssen, sondern eine intensive Haupterkundungsphase mit einem umfangreichen Erkundungs- und Überwachungsprogramm. Das Messprogramm hätte dabei so früh als möglich bereits vor der Bauphase erfolgen müssen, um spätere Auffälligkeiten besser bewerten zu können. Generell hätten aufgrund der Erkenntnisse des sehr schwierigen Baugrundes mögliche Trassenvarianten auf ihre Wirtschaftlichkeit hin neu überprüft werden müssen." Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck sowie die zuständigen Behörden wie auch der Petitionsausschuss des deutschen Bundestages und die EU-Kommission wurden darüber in Kenntnis gesetzt. Bis heute lässt sich weder eine zuverlässige Aussage über die Standsicherheit der 160 Meter hohen Brücke machen noch zu den Kosten, die für die Erfüllung der hier zuständigen Norm DIN 1054 (2005) anfallen werden. Dies ist auch insofern bemerkenswert, als die gegenwärtig genannte Bausumme von 360 Millionen Euro offenbar unter der Voraussetzung unzureichender Erkundungen des Baugrundes zustande gekommen ist. Das Problem der Rutschzone am Graacher Hang wurde dem Geo-Institut zufolge in seinen räumlichen Ausdehnungen nicht ausreichend erfasst. "Aufgrund der weitgehend unbekannten Kinematik der Großrutschung mit einer vermuteten Gleitfuge bis 70 m Tiefe erscheint es als riskant, die Trasse bis in unmittelbare Nähe des nicht ausreichend erkundeten Baugrundes zu führen." Das dritte schwerwiegende Problem ist die Beeinflussung der Spitzenweinlagen zwischen Zeltingen und Bernkastel. Inwieweit die geplante teilweise mehr als 10 Meter tiefe Schneise in den Bergrücken einen Einfluss auf deren Wasserversorgung hat, bleibt bis heute ungeklärt. Wiederholt wurde - selbst von der CDU-Landeschefin Julia Klöckner - ein unabhängiges Gutachten gefordert, doch dies gibt es bis heute nicht. Die uns vorliegende Stellungnahme fordert umfassende Untersuchungen hierzu. Ginge alles mit rechten Dingen zu, so würde die Landesregierung, der die Bauausführung obliegt, einen Baustopp verhängen, bis diese wirklich elementaren Fragen geklärt sind. Heidelind Weidemann, zweite stellv. Vorsitzende von Pro-Mosel und stellv. Landesvorsitzende des BUND RLP: "Offenbar hat niemand in der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei ein Interesse daran, verantwortungsvoll mit unseren Ressourcen - sowohl den finanziellen als auch der für die Region so bedeutsamen Natur-, Wein- und Erholungslandschaft - umzugehen. Die unmittelbar betroffenen Anwohner, Tourismus-Betriebe, Winzer und auch Urlauber laufen seit Jahren gegen Wände bei dem Versuch, in Mainz Gehör zu finden. Es sieht so aus, als wollte die Landesregierung hier ein Exempel ihrer Macht statuieren, doch es handelt sich vor allem um ein Exempel der Gleichgültigkeit und der Verantwortungslosigkeit gerade auch gegenüber künftigen Generationen." Es ist inzwischen allgemein bekannt, dass die Notwendigkeit für dieses Großprojekt an der Mosel nicht mehr gegeben ist. Das besagen selbst offizielle Verkehrsprognosen. Georg Laska, Vorsitzender von Pro-Mosel: "Während der Bürger mit steigenden Kosten zu kämpfen hat und sich zunehmend um seine Zukunft sorgen machen muss, werden an der Mosel die Steuergelder aus purem Trotz in Beton gegossen. Dies ist umso schmerzhafter, als der Hauptgeldgeber der Bundesbürger ist, der in Rheinland-Pfalz keine Stimme hat." Die Bürgerinitiative Pro-Mosel fühlt sich in der Pflicht, diese eklatanten Widersprüche weiterhin anzuprangern und weiter gegen dieses Machwerk der Unvernunft vorzugehen. Georg Laska: "Der Bau des Hochmoselübergangs bekommt mehr und mehr einen Symbolcharakter, indem er zum Sinnbild wird für eine bürgerferne und verantwortungslose Politik. Am Hochmoselübergang kann man ablesen, wie es in unserem Land um wirtschaftliche Vernunft, Mitbestimmung, Umweltschutz, und Kulturerhalt wirklich steht."
Links: Internetseite der Bürgerinitiative Pro-Mosel
----- Kontakt und weitere Information:
Heidelind Weidemann, stellv. Landesvors. des BUND
Dr.Elisabeth Reis, Hauptpetentin u. stellv. Vors. von Pro-Mosel
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