Hier sind verschiedene Leserbriefe zum Thema B 50 neu. Wegen der großen Anzahl veröffentlichen wir auf dieser Seite nur noch die aktuellsten Leserbriefe, alle anderen gibt es aber nach wie vor im Leserbrief-Archiv (261 KB).
Auf folgender Seite kann man einen Leserbrief an den Trierischen Volksfreund schicken.
Unsichere Zukunft für Busse und BahnenTrierischer Volksfreund, 13.12.2011 ... Lothar Kaufmann vom zuständigen Mainzer Ministerium macht es sich allzu einfach, wenn er den gähnend leeren Etat von Land und Bund als Grund für die Misere vorschiebt. Was ist, möchte man ihn fragen, mit den vielen Millionen, die von Rot-Grün im Land - gemeinsam mit Berlin - in den Sand gesetzt wurden oder werden sollen? Vom Nürburgring-Desaster und vom Hahn-Dilemma einmal abgesehen: Glaubt man in Mainz immer noch, die 360 Millionen Euro - oder ist es doch eine Milliarde? - für die B 50 neu und den Hochmoselübergang verantworten zu können? Ein Projekt, das lediglich einer Handvoll Unternehmen einen - zweifelhaften - Nutzen verspricht und ansonsten - erwiesenermaßen - der Region nur schadet! Da werden also Hunderte von Millionen Euro verschwendet, während für wichtigste Verkehrsprojekte und Vorhaben (Schulbusse!) zehn oder zwölf Millionen fehlen - erbärmlicher kann sich keine Politik präsentieren! Wie war das noch mit der Eidesformel, Schaden vom deutschen Volk fernzuhalten? Margit Schmitges |
Geisterfahrer-KreiselTrierischer Volksfreund, 8.12.2011 "Womöglich ist er zu groß für Wittlicher Verhältnisse", so die Mutmaßung im Artikel zum "Geisterfahrer-Kreisel". Aber ja, für die Zwecke, die wir wirklich brauchen, ist halt das ganze Projekt A 60/B 50 neu schlicht zu gigantisch. Das führt dann zu unerwünschten Nebenwirkungen: Geisterfahrten am überdimensionierten Kreisel und Autorennen auf der kaum befahrenen A 60, wo sie zwischen Prüm und Wittlich vierspurig ist. Es macht eben keinen Sinn, Geld der Steuerzahler für Straßen auszugeben, die wir so nicht brauchen. Deshalb haben die Gegner des Projekts stets für eine sinnvollere, das Moseltal einbeziehende Lösung plädiert. Bevor es erst so richtig losgeht mit Hochmoselübergang und der autobahnähnlichen Trasse über den kompletten Moselsporn zwischen Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach, sollten die Verantwortlichen endlich in sich gehen und schlechtem Geld nicht noch gutes hinterherwerfen. Heide Weidemann |
Becks ProtzprojekteTrierischer Volksfreund, 28.11.2011 Der Tenor des Artikels suggeriert, nicht der brutale Bau einer Riesenbrücke mitten durch ein wertvolles Naherholungsgebiet sei schädlich, sondern die Warnung vor diesem Eingriff. Denkt man diesen Gedanken zu Ende, läuft das auf Zensur, auf einen Maulkorb für Kritiker des Projektes hinaus. Darf man Uralt- Beschlüsse, auf undurchsichtiger und längst überholter Grundlage getroffen, nicht mehr hinterfragen? Es ist im Übrigen unklar, von welchem Schaden für die Mosel die Herren der Untermosel da fabulieren. Wurde etwa irgendein Moselwein in den USA in diesem Zusammenhang ausgelistet? Ist der Absatz irgendeines Mosel-Weingutes dort zusammengebrochen? Im Gegenteil, die Mosel boomt im Ausland. Und besonders die Kreszenzen von der Mittelmosel rund um den bedrohten Moselsporn sind stärker nachgefragt als selten zuvor. Plus 23 Prozent laut IHK! Sind das Schäden durch unsere "Kampagne"? Manchem Weinfreund wurde vielleicht erst durch die Kritik von Hugh Johnson und anderen an diesem größenwahnsinnigen Bauprojekt bewusst, dass es eine Mosel gibt und welch einzigartige Weine hier wachsen. Der Vergleich der Winninger Brücke mit der Hochmoselbrücke ist in jeder Hinsicht schief und unbrauchbar. Die Winninger ist viel kleiner, liegt versteckt und ramponiert nicht die Lateralwasserströme. Vor allem aber wird sie gebraucht: Im Gegensatz zu der nun wirklich wichtigen und viel befahrenen Nord-Süd-Magistrate A 61 mit fast 50 000 Fahrzeugen pro Tag handelt es sich bei der B 50neu um eine längst überholte Militärstraßenplanung aus den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, deren Bedarf und Nutzen für heute in keiner Weise nachgewiesen ist. Für die gezählten 2000 Autos zwischen Wittlich und Morbach diese Rampe bauen zu wollen, ist angesichts leerer Kassen und Rekordverschuldung lächerlich und gemahnt an südeuropäische Zustände. Die im Artikel prognostizierten 25 000 Fahrzeuge pro Tag für das Jahr 2025 sind reine Fantasiezahlen, die keiner seriösen Betrachtung standhalten und sogar von der Bundesregierung kürzlich halbiert wurden. Und was ist, wenn der Hahn ganz abstürzt oder der Euro kollabiert, und der Bau storniert werden muss? Dann steht ein halbfertiges Betonmonster hier im Tal und vergrault unsere Gäste. Wer morgen noch mobil sein will, muss heute vordringlich in den Erhalt der bestehenden Straßen und Brücken investieren. Stattdessen werden Unsummen geliehener Gelder in Becks Protzprojekte versenkt. Rudolf Trossen |
SchizophrenieTrierischer Volksfreund, 28.11.2011 Die bisherigen Signale, die der TV zum leidigem Thema B 50 neu/Hochmoselübergang aussendet, besagen etwa - in der Diktion von Dantes "Göttlicher Komödie": Leute, die ihr noch Widerstand leistet gegen dieses unsägliche Objekt der Landschaftszerstörung und Bürgerverärgerung, lasst alle Hoffnung fahren! Die Lektüre des Volksfreunds verdeutlicht diesen Ratschlag. Der Aufmacher besagt quasi: Schaut auf die rheinland-pfälzischen Grünen, die doch noch vor der Landtagswahl vehement gegen dieses Bauwerk standen, und heute synchron mit Beck & Co. nur noch lobende Worte für dessen Linie in der Verkehrspolitik finden. Seid ebenso pragmatisch, gebt auf! Genau an dieser Stelle der Diskussion drängt es mich, ein Wort aus Bert Brechts Dreigroschenoper zu zitieren: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral!" Brecht geißelte damit ganz klar die Politik: Das "Fressen" ist im vorliegenden Fall natürlich die grüne Regierungsbeteiligung samt Ministerposten für Lemke & Co., die (fehlende) Moral, selbstredend der glatte Bruch des Wahlversprechens in Sachen Hochmoselübergang. So weit, so schlecht! Kurzer Blickwechsel: Im Leitartikel sowie im Bericht von Frank Giarra wird unter anderem der Streit um die B 10 im pfälzischen Landau thematisiert, eine Straße, die aus durchaus nachvollziehbaren Gründen von den betroffenen Bürgern gewollt, von den Grünen jedoch harsch abgelehnt beziehungsweise blockiert wird: umweltschädlich und zu teuer, lautet das Verdikt. Da kann der Beobachter dieses Dramas nur staunen. Eröffnet nicht der TV mit dem Aufmacher: "Grüne wollen Bürgerrechte stärken"? Der Leser kommt ins Grübeln: Von Bürgerrechten reden und den Bürgerwillen ignorieren? Und wie steht es - kleiner Schwenk in unsere Region - in der Causa Hochmoselbrücke? Zur Erinnerung: 30 000 Stimmen und eine eindeutige Mehrheit bei der TV-Umfrage vom April dieses Jahres dagegen! Und die Grünen in einer Front mit Beck, Hering & Co dafür! Wie nennt man derartige irrationale Rochaden in der Psychiatrie? Richtig: Schizophrenie! Wenn man den Moselanern die Brücke ersparen würde, könnte man dafür locker die von den Pfälzern sehnlichst gewünschte B 10 bauen - die Fußnote einer kafkaesken Politsatire! Helmut Körlings |
Unqualifizierter VergleichTrierischer Volksfreund, 28.11.2011 Er ist katastrophal, dieser unrealistische Vergleich zwischen Hochmoselübergang und Winninger Brücke. Es grenzt an Dummheit oder Nichtwissen. Winningen hat keinen Tunnel vor Brückenaufgang, welcher in einem Wasserreservoir und instabilem Boden gebaut wird. Winningen hat keinen Rutschhang, der jedes Jahr drei Zentimeter rutscht nach Aussage des Landesbetriebs Mobilität. Winningen hat keine Dammschüttung und keinen Aushub, in der die Straße verläuft. Winningen hat keine Pfeilergründung mit Bohrpfählen in einem instabilen Untergrund. Winningen hat keine Einschnitte in die Erdformation und Störung des Wasserhaushalts auf die Weinberge. Beiden gemeinsam ist die Überquerung der Mosel. Also hört endlich auf mit diesem dummen, unqualifizierten Vergleich! Wilfried Schnatmeyer |
Der Bürger muss die Möglichkeit haben, die Notbremse zu ziehenTrierischer Volksfreund, 11.10.2011 Die SPD hat wie alle Parteien im Wahlkampf mehr Bürgerbeteiligung versprochen. So steht es auch im gemeinsamen Koalitionspapier von SPD und Grünen. Bis Ende 2012 wird eine Enquete-Kommission alle Möglichkeiten einer Bürgerbeteiligung untersuchen. Der Bürger soll Lust haben, sich stärker in ein Verkehrs- oder Reformprojekt einzubringen. Gemäß dem Gesetz zur Umweltverträglichkeitsprüfung wurde bereits 2005 die Öffentlichkeitsbeteiligung bei jeder Planungsstufe vorgeschrieben. Dieses Gesetz beruht auf der Deklaration der Agenda 2010 in Rio (1992). Dort heißt es sinngemäß, eine nachhaltige Entwicklung könne nur erreicht werden durch eine umfassende Beteiligung der Öffentlichkeit an der Entscheidungsfindung. Daher zeichnet sich schon jetzt ab, dass die Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans zum ersten Mal mit einer verbindlichen Öffentlichkeitsbeteiligung stattfindet im Rahmen einer strategischen Umweltprüfung. Die Öffentlichkeitsbeteiligung ist hier vom Gesetzgeber vorgesehen. Haben die Bürger zum Beispiel einem Verkehrsprojekt zu Beginn zugestimmt, nehmen die Dinge ihren Lauf. Die Einwendungen im Planfeststellungsverfahren werden meist durch Abwägung der planenden Behörde abgewehrt. Bisher fehlt eine Bürgerbeteiligung, die den gesamten Planungsprozess begleitet. Der Bürger muss die Möglichkeit haben, auch zu einem späteren Zeitpunkt noch die Notbremse zu ziehen. Zum Beispiel dann, wenn durch horrende Kostensteigerungen das Projekt unwirtschaftlich wird. Schließlich rechtfertigt die offenbar neue Verkehrsprognose zum Hochmoselübergang mit 13 000 Autos/Tag niemals die Ausgabe von 330 Millionen Euro. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass alle Brückenbauten der B 50 neu vierspurig, also autobahnartig, ausgeführt werden sollen. Eine vierspurige Autobahn aber ist erst bei 18 000 bis 20 000 Autos/Tag rentabel. Auf jeden Fall ist der alternative Ausbau der Landesstraße Mülheim-Monzelfeld wirtschaftlicher und umweltfreundlicher als dieses den Sparplänen total widersprechende Brückenmonster bei Ürzig. Schließlich ist der Koalitionsvertrag kein Gesetz, sondern lediglich eine Arbeitsgrundlage. Rainer von Schütz |
Verletzte GefühleTrierischer Volksfreund, 23.8.2011 In seinem Roman "Haus ohne Spuren" schreibt der Autor Viktor Arnar Ingolfson aus der Sicht des Ingenieur-Studenten Jakob Kieler sen. Folgendes: "In meinem künftigen muss ich immer im Auge behalten, dass ein Bauwerk von Menschenhand in erster Linie mit seiner Umgebung im Einklang stehen muss, um seinem Schöpfer Ehre zu machen. Es reicht nicht aus, solide Bauwerke zu errichten, falls das Ergebnis die ästhetischen Gefühle der Menschen verletzt." Diesen Sätzen ist in Bezug auf die Monsterbrücke nichts hinzuzufügen! Nikolaus Krämer |
NaturgebieteBonner Generalanzeiger, 22.6.2011 Der Beschluss der Landesregierung in Mainz, den Weiterbau der A1 vor der Genehmigung einer kritischen Überprüfung unter Umweltgesichtspunkten zu unterziehen, kann nur begrüßt werden. Denn spätestens, seit die Auswirkungen des Klimawandels uns erreicht haben und teuer zu Buche schlagen, wird es Zeit, über ein verändertes Verkehrsverhalten nachzudenken und den unbegrenzten Umweltverbrauch zu stoppen. Die Begründungen, die im GA-Artikel für den "Lückenschluss" zitiert werden, sind mehr als fragwürdig: Wieso soll das Partikularinteresse eines Fuhrunternehmens, der seine Firma auch verlagern könnte, schwerer wiegen als die Lebensqualität einer ganzen Region? Und wieso sollen wir in Deutschland eins der wenigen intakten Naturgebiete, die es noch gibt, dem Transitverkehr quer durch Europa opfern? Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz wäre gut beraten, nicht nur die A1, sondern auch andere Großprojekte kritisch zu überprüfen - z.B. die Hochmoselbrücke, die nicht nur Natur und Tourismus, sondern auch die besten Rieslinglagen der Welt gefährdet bzw. zerstört. |
Die Welt lacht über die MoselbrückeZum Artikel "Regionaler Gipfel fordert zügigen Bau" (TV, 16. April) meint dieser Leser: Christoph Holkenbrink hat vollkommen recht, die Welt lacht sich kaputt, aber nicht, weil das Projekt Hochmoselübergang gestoppt wird, sondern weil Ingenieure ein 60 Jahre altes Projekt jetzt unbedingt bauen wollen. Nicht nur das! Man setzt Weltkultur eben aufs Spiel, oder lässt sie sich wieder abnehmen!
Wilfried Schnatmeyer |
Doppelzüngige PolitikerZum Artikel: "Schlüsselübergabe im Steillagenzentrum" (TV, 4. Dezember)
Minister Hering fühlt sich verpflichtet, die durch Steillagen geprägte Kulturlandschaft an der Mosel zu erhalten. Schön, dass er es fühlt, nur tut er genau das Gegenteil. Durch den von Hering und Beck geplanten Bau des Hochmoselübergangs wird unsere einmalige Kulturlandschaft für immer zerstört werden. Die beiden rheinland-pfälzischen Spitzenpolitiker sind an Verlogeheit und Doppelzüngigkeit kaum zu überbieten.
Patrick Wagner |
Wunde PunkteZum Artikel "Politik findet auf der Straße statt" (TV vom 18. Oktober) Heiner Geißler hat mit seiner Forderung nach Beendigung der "Basta-Politik" den Nagel auf den Kopf getroffen und die wunden Punkte in unserer Demokratie benannt: das Fehlen von Transparenz und mangelnde Kommunikation mit den Bürgern vor weitreichenden Entscheidungen. Von Politikern wie dem baden-württembergischen Regierungschef Stefan Mappus, Kanzlerin Angela Merkel, aber auch von Kurt Beck in Mainz müssen wohl Geißlers Worte wie ein Wink mit dem Zaunpfahl empfunden worden sein.
Leo Pschebizin |
Unsinniges ProjektZum Leserbrief "Geltendes Recht akzeptieren" (TV vom 27. September) Was hat dieser Schreiber für eine Auffassung von Rechten? Haben Banken, Konzerne oder diejenigen, die am längeren Hebel sitzen, Sonderrechte? Wurden mit den privaten Grundbesitzern unter dieser geplanten Hochbrücke Gestattungsverträge abgeschlossen? Wird die Wertminderung dieser Flächen erstattet? Diese Flächen sind als Wohngebiet geeignet.
Karl Knodt |
Steht auf, wenn ihr Bürger seid!Zu den Protesten gegen "Stuttgart 21" und den Hochmoselübergang
Wunderliche Dinge geschehen dieser Tage. Die braven Schwaben entdecken die echte, gelebte Demokratie. Wie einst in den letzten Tagen der DDR, erheben Bürger ihre Stimme, rufen: Wir sind das Volk! Die Menschen fühlen sich nicht ernst genommen, sondern vorgeführt und belogen. Die Altparteien stehen noch in Treue fest zu gestrigen Plänen, obwohl sich die Geschäftsgrundlage der einstigen Beschlüsse gewaltig verändert hat: Der Bau des unterirdischen Stuttgarter Bahnhofs samt Rennstrecke nach Ulm wird schlichtweg dreimal so teuer wie einst veranschlagt, ist viel riskanter als damals bekannt war, nützt wenig und wird alle Mittel der Bahn für dringende Renovierungen auf Jahre verschlingen. Es droht eine gravierende Verschlechterung der Infrastruktur im Ländle. Dagegen stehen die Bürger mit Fug und Recht auf und fordern einen Baustopp und neue Planungen.
Rudolf Trossen |
Unseriöse PrognosenZum Artikel "Moselfahrt aus Brückenkummer" Es gibt, den Hochmoselübergang betreffend, nicht nur ein politisches Ja oder Nein. Es gibt Kompromissmöglichkeiten. Pro-Mosel hat eine Alternative entwickelt, bei der das meiste des bisher Gebauten genutzt und die Orte an der B 50 ebenfalls vom Verkehr entlastet werden könnten. Das alles wäre für den Eifel-Hunsrück-Pendler auch mit einem Fahrtzeitvorteil verbunden.
Dr. Elisabeth Reis
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Verrat aller besseren EinsichtenZum Artikel "Brückenbau bleibt umstritten" Brücken sind beeindruckende Bauwerke und schöne Symbole: Sie überwinden natürliche Grenzen, verbinden, wo Landschaftsprofile Trennungen darstellen. Der geplante Hochmoselübergang jedoch pervertiert den schönen Symbolwert einer Brücke: Über Kilometer sichtbar, zerstört er die Idylle einer uralten Kulturregion und zerschneidet in seiner vierspurigen Fortführung unberührte Landschaftsbilder in Eifel und Hunsrück.
Pfarrer Jörg-Walter Henrich |
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Zum Kommentar "Ein später Bärendienst" über den Protest gegen den Hochmoselübergang Ein besseres Marketing als den Protest in Berlin hat es für die Mosel und deren Weine wohl nie gegeben. Drei weltbekannte Weinexperten lobten die Mosel-Rieslinge sowie die einzigartige Landschaft in den höchsten Tänen vor versammelter nationaler und internationaler Presse. All das flankiert vom Sternekoch, von Sommeliers, Winzern und Moselanern. Politiker, nicht nur von den Grünen, sondern auch Konservative, waren vertreten. Der Spiegel, die Welt, die Süddeutsche Zeitung, die Zeit, die Deutsche Welle lauschten den Weinpäpsten genau wie die internationalen Medien. Viele Leute werden bald ihre Reise wegen unserer Aktivitäten an die Mosel planen und unsere Weine probieren. Dass diese Landschaft zerstärt werden soll, dafür kännen wir nichts. Wir versuchen unter großem persänlichen Einsatz, die Weltkulturschande zu verhindern.
Elisabeth Reis |
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Zum Widerstand gegen den Bau des Hochmoselübergangs und dem Kommentar "Später Bärendienst" Es ist schon komisch, wenn an anderen Stellen bestimmtes Artenvorkommen ein Vorhaben stoppt, hier jedoch nicht. Auch kann man die Folgen dieses Baus nicht nur an den Pfeilern festmachen, sondern muss sich die gesamte Landschaftszerstärung vor Ort ansehen! Ja, das Projekt ist seit Jahrzehnten geplant, aber genau ebenso lange dauert schon der Protest dagegen, nur nicht in dieser Form und äffentlichkeitsmobilisierung! Der Sohn unserer Nachbarin hat schon vor 30 Jahren dagegen protestiert! Und die Brücke überspannt die Mosel gerade an einer ihrer schänsten Stellen und in einer unmäglichen Länge!
Reiner Josko |
7 Leserbriefe zum Thema
Elisabeth Reis, Mana Binz, Patrick Wagner, Heide Weidemann, Helmut Körlings, Georg Laska |
Wir werden für dumm verkauftZur Debatte über den Hochmoselübergang meint diese Leserin:
Von Minister Hering und Vertretung wurden während einer Radiosendung Hoffnungen geweckt: unter anderem Arbeitsplatzgewinne, Verkehrsberuhigungen sowie eine europäische Bedeutung, wenn der Hochmoselübergang käme.
Elisabeth Reis |
Irreparabler SchadenBrücke über die Mosel bei Ürzig Die Planung für diese Monsterbrücke ist 40 Jahre alt und von Bedarf und Trassenführung her längst obsolet. Die Weinbau-Kulturlandschaft, die sie zerstört, ist 2000 Jahre alt und heute aktueller und begehrter denn je. Einzigartige, wunderschöne Landschaft ist nicht vermehrbar, sie ist das Kapital der Region für den Weinbau, den Tourismus und die Lebensqualität der Bevölkerung.
Johannes Selbach |
Monströses ProjektZur Debatte um den Bau des Moselübergangs meint dieser Leser: Erst allmählich erfährt die "Außenwelt" vom monströsen Brückenprojekt bei Ürzig, und erst jetzt wird der Aufschrei über die Region hinaus hörbar. Als einer der ersten französischen Journalisten und Deutschland-Experten, die auf die neue herausragende Qualität des deutschen Weins hinwiesen, aber auch als Liebhaber der einzigartigen Mosellandschaft kann ich mich dem Protest der Winzer nur anschließen. Denn abgesehen vom mehr denn je notwendigen Aufstand gegen die rücksichtslose Zubetonierung von Sichtachsen, die ihresgleichen suchen und für die Menschen von heute von zunehmender Bedeutung sind, machen die protestierenden Winzer eines klar: Weinqualität und Landschaft sind für den Ruf einer Weinregion immer zutiefst miteinander verbunden und voneinander abhängig. Eine zubetonierte, respektlos behandelte Landschaft kann keinen guten Wein hergeben. Die besten Weine kommen immer aus besonders liebevoll geschützten Landschaften, die auch Touristen, Kunstkenner und Naturliebhaber locken. Die Franzosen haben dafür das Wort "Terroir" geprägt, so etwas wie Gesamtkunstwerk. Ja, das Tal der Mosel zwischen Trier und Koblenz ist ein Gesamtkunstwerk aus Gottes Schöpfung und jahrhundertelanger Winzerarbeit. Geht die Landschaft verloren, versiegt bald der Strom der Besucher und Weinkäufer. Wer die Mosel liebt, muss jetzt Farbe bekennen und für einen sofortigen Baustopp kämpfen. Thibaut de Champris |
Dinosaurier-ProjektZur Debatte um den Hochmosel-Übergang meint diese Leserin Die Pläne zum Bau des Hochmoselübergangs und der B 50 neu bestehen seit Jahrzehnten. Entstanden ist das Projekt in Zeiten des Kalten Krieges, Sinn war die rasche militärische Verbindung der Atlantikhäfen mit dem Rhein-Main-Gebiet und der ehemaligen DDR-Grenze bei Fulda. Wir freuen uns über 20 Jahre Wiedervereinigung - und trotzdem halten CDU, SPD und FDP an diesem anachronistischen Projekt fest. Heute soll es zum Nutzen des defizitären Flug hafen Hahn sein, das heißt gutes Geld schlechtem Geld hinter herwerfen! Nach der erfolgreichen Klage des BUND im Jahr 2002 vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig war an der Baufront zunächst Ruhe. Das Land Rheinland-Pfalz hat jedoch die bemängelten Stellen im Planfeststellungsbeschluss "geheilt" und nunmehr besteht Baurecht. "Warum jetzt noch Widerstand?", werde ich häufig gefragt, "ist doch eh gelaufen." In jüngster Zeit haben namhafte Winzer nochmals ihre Stimmen in die Waagschale geworfen. Hugh Johnson, jedem Weinkenner als "Weinpapst" bekannt, hat vor Ort dazu aufgerufen, die Pläne zu begraben. Die internationale Fachpresse und auch Zeitungen wie die "Washington Post", die "Finan cial Times International", berichten über den Frevel, der unserer Landschaft angetan werden soll. Geschätzte 270 Millionen Euro für eine Verbindung zwischen Platten und Longkamp - da fragt man sich doch in den heutigen Zeiten, in denen es mannigfaltig an den nötigen Mitteln für beispielsweise Schulsanierungen und Kreisstraßenausbau fehlt: "Geht's noch?" Der gerichtliche Weg ist ausgeschöpft, die Millionen Steuergelder für den Bau stehen offenbar zur Verfügung, was hilft noch? Öffentlichkeit und Politik! Es war und ist eine politische Entscheidung, ob das Moseltal und der Moselsporn zur Transitstrecke degradiert werden. Daher setze ich mein Vertrauen in die neu gewählte Bundesregierung, dass sie tatsächlich den Rotstift an der Stelle ansetzt, wohin er gehört: Schluss mit dem Verplempern von Millionen Euro in ein "Dinosaurierprojekt"! Das wäre wirklich eine vertrauensbildende Maßnahme. Jutta Blatzheim-Roegler |
Die Welt endet nicht an der nächsten FlussbiegungZum Kommentar "Glanz und Elend des Moselweins" (TV vom 8. Oktober) In diesem Leitartikel ist der Schlussabsatz überaus bemerkenswert. "Die Champagner-Winzer", schreibt Winfried Simon, "haben es längst geschafft, ihr Gebiet als einzigartig zu profilieren und zu vermarkten. Wenn das der Mosel doch nur auch gelingen könnte ..." Die Antwort auf diesen Stoßseufzer lautet, frei nach Bill Clinton: "It's the mentality, stupid!" Soll heißen: Der Moselaner ist für jede Art von Gemeinsinn und Solidarität - ganz gleich, auf welchem Gebiet - in höchstem Maße untalentiert. Der Grund ist klar: Für den Talbewohner war jahrhundertelang die Welt - seine Welt! - an der nächsten Flussbiegung zu Ende. Was dahinter kam, war - und ist heute noch - Ausland, feindliches Ausland! Dafür gibt es viele Beispiele, angefangen bei der Bockbeinigkeit etlicher Moselgemeinden, im Zuge der Kommunalreform mit Nachbarkommunen zu kooperieren, bis hin zu den Schwierigkeiten bei der Etablierung einer schlagkräftigen Dachmarke. Ein besonders markanter Beweis für diesen eklatanten Mangel an Solidarität wurde kürzlich vom Schreiber eines Leserbriefs geliefert. Da trommelte ein Kröver lautstark für den geplanten Hochmoselübergang bei Ürzig/Zeltingen, ein Bauwerk, das - beweisbar - für die Mosel ein einziges Desaster zu werden droht. Einmal unterstellt, dass der Trommler die eindringliche Warnung des Europäischen Tourismusinstituts Trier (ETI) vor schmerzlichen Einbußen im Touristiksektor - vor allem im Sichtbereich des Betonmonsters - kennt, gibt es nur eine Erklärung für dieses dezidiert unsolidarische Verhalten des Krövers: die listige "Erkenntnis" nämlich, dass dann die Touristen einfach auf Rachtig, Erden und Kinheim pfeifen und Kröv ansteuern. Und dass sie dann statt Zeltinger Himmelreich Kröver Nacktarsch kaufen! Allerdings könnte sich dieser Klein-Geist, wie etliche andere seiner Sinnesart, gewaltig in die Finger geschnitten haben. Dann nämlich, wenn die Unesco der Mosel den erstrebten Welterbe-Titel wegen genau dieser Brücke versagt. In diesem Fall träfe der exorbitante Schaden alle Bewohner und alle Gemeinden im Tal - auch und nicht zuletzt Kröv! Helmut Körlings |
Die Brücke ist eine SündeZum Artikel "Entweihung der Landschaft" (TV vom 12. September) In verschiedenen Leserbriefen in der letzten Zeit wurde darüber spekuliert, warum der Widerstand in der Bevölkerung gegen das unsinnige und gigantische und zerstörerische Projekt Hochmoselübergang doch sehr verhalten scheint. Bei den Politikern liegt es im Opportunismus, sprich mangelndem Schneid. Schlimmer noch, sie versprechen sich etwas von ihrer Servilität höheren Instanzen gegenüber. Oder sie haben einen frisch geputzten Neuwagen (siehe Abwrackprämie) in der Garage, mit dem sie stolz über die Brücke fahren wollen. Durch das Moseltal sind Wikinger, Kroaten, Spanier, Franzosen gezogen und haben Schäden angerichtet. Es liegt wohl in den Genen, alles zu erdulden. Ohne Frage ist die Brücke eine Schande für dieses Tal. Aber soll ich diese Haltung, den Kopf zwischen die Ohren zu ziehen und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen bei den liebenswerten Menschen nun rügen? Um Himmels Willen! Es ist schon peinlich genug, dass Engländer kommen müssen, um sich für dieses Tal in die Bresche zu werfen. Es tut mir leid, diese Brücke ist eine unverzeihliche Sünde und ein Skandal. Jörg Stein |
Deutschlands dümmste Autobahn
Jüngst erschien im TV ein sehr interessanter Leserbrief von Herrn Hanrath zum Themenkreis „Moselautobahn“ B50neu, Er plädiert für eine Art Volksbefragung, um festzustellen wie die Bevölkerung zu dem Projekt B50neu steht. Das ist eine sehr gute Idee, wenn es richtig gemacht wird. Richtig heißt, dass man den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern „reinen Wein“ einschenkt, d.h, alle relevanten Daten und Fakten offen legt und die Frage vom normalen parteipolitischen Hintergrund der üblichen Wahlen loslöst. Also eine Sachfrage zur Abstimmung bringt. Bevor von den Verantwortlichen womöglich 500 Millionen Euro für eine überflüssige Fernstraße vergeudet und eine einmalige Kultur-Landschaft zum Entsetzen der internationalen Weinwelt unrettbar verschandelt wird, sollte die ganze Sache wenigstens einmal fair, objektiv, ergebnisoffen und öffentlich, analog einer Gerichtsverhandlung, beraten werden. Das Projekt B50neu stammt aus der Mitte des letzten Jahrhunderts und war von Anfang an umstritten. Deutschland wurde ohne Hochmoselübergang Exportweltmeister, wir haben genügend gute Straßen, es kommen reichlich Gäste ins Tal. Auch aus Belgien. Ohne Brücke! Wir Moselaner haben nur diese eine Landschaft. Sie ist unsere Heimat und unser einziges Kapital. Schwerwiegende Eingriffe dieser Art müssen gut überlegt, nachvollziehbar begründet und absolut notwendig sein. Und genau das ist das Problem: Die Planung der B50neu überzeugt nicht, ist nicht schlüssig, nicht intelligent. Wie am Nürburgring war kein Investor aufzutreiben. Denn die können rechnen. Also zahlen wir und unsere Kinder. Ungefragt. Weder ist ein Bedarf nachgewiesen, noch ist es die kürzeste oder günstigste Linie. Doch der Schaden wird irreparabel sein. Deshalb die Zweifel, der Protest. Der Moselsporn, eine Oase der Ruhe, viel besuchtes Wanderland zwischen Trarbach und Bernkastel, wird für immer zerstört. Wofür? Die B50neu ist ein Attentat auf die Vernunft, ein Vergehen an der Zukunft: Für nicht vorhandenen Verkehr wird mit nicht vorhandenem Geld an der dämlichsten Stelle Größenwahn in Beton zelebriert. Und das am Vorabend einer Wirtschaftskrise. Das nenne ich: Deutschlands dümmste Autobahn. Rudolf Trossen |
Pompöses Denkmal
Wo wir gerade dabei sind, die Millionengräber für Steuerzahler in Rheinland-Pfalz aufzuzählen, möchte ich Herrn Ministerpräsident Beck zum Thema Hochmoselübergang zitieren: "Das wird ein Jahrhundertbauwerk für eine verbesserte Verkehrsanbindung der gesamten Region und speziell auch für den rheinland-pfälzischen Flughafen Frankfurt-Hahn." Auf gut Deutsch heißt dies, dass sich unser Landesvater mit mehreren Hundert Millionen Euro Steuergeldern ein pompöses Denkmal bauen will, damit die Subventionen für sein Langzeit-Millionengrab Frankfurt-Hahn demnächst per Autobahn angeliefert werden können. Die Liste der Millionengräber scheint kontinuierlich zu wachsen, und damit verzögern sich automatisch die wirklich wichtigen Bauarbeiten. Es gibt nun einmal nur eine begrenzte Menge Geld für solche Ausgaben. In der Fernsehsendung "Ländersache" vom 16. Juni hat der Südwestrundfunk klar dargestellt, dass Menschen bei Verkehrsunfällen in Autobahnbaustellen sterben, weil an den Baustellen aus Geldmangel nur acht Stunden pro Tag gearbeitet wird. Ich verstehe absolut nicht, wie sich dies mit der Nonchalance unserer Politiker verträgt, mit der sie unerwartete Neuausgaben verteidigen. Knut Aufermann |
Antrag und Baustopp
Vielen Dank an TV-Redakteur Simon, dass er das Moseltal bei Ürzig in seiner unvergleichlichen, noch unversehrten Schönheit zeigt. Zusammen mit den angrenzenden Hängen und Hügeln des Moselsporns gibt es sicher nur wenige ähnlich intakte und im Zusammenhang zu sehende Landschaften, die unbedingt den Titel "Welterbe der Menschheit" verdienen würden. Dass sich jetzt auch drei Mitglieder der Weinbruderschaft Mosel-Saar-Ruwer zu diesem Thema positiv in der Öffentlichkeit geäußert haben, ist sehr zu begrüüen. Wie Weinbruder Schlagkamp schon sehr richtig sagt: "Der Hochmoselübergang ist ein internationales Verkehrsprojekt." Aber welchen Nutzen soll eine weitere Transit-Strecke für die Region haben? Soll man den Anspruch auf den Welterbe-Titel wegen einer um fünfzehn Minuten verkürzten LKW-Fahrzeit zwischen Antwerpen und Frankfurt opfern? Auch TV-Redakteur Ross ist voll zuzustimmen, wenn er meint "der Antrag müsste zumindest einmal gestellt sein". Als ersten Schritt in diese Richtung müsste das Land umgehend sämtliche Arbeiten an der B 50 neu samt Hochmoselübergang einstellen und bis zur Entscheidung über den Welterbe-Titel ruhen lassen. Denn es kann nicht sein, dass man munter drauflosbaut und dann, wenn der Antrag gestellt werden kann, erfahren muss, dass der Zug für immer abgefahren ist. Nebenbei würde der Steuerzahler durch einen Baustopp mindestens 300 Millionen Euro sparen - nach der aktuellen Schätzung der Planer, die doppelt so hoch liegt wie vor zehn Jahren. Dr. Hans-Jürgen Belitz |
Mit Brücke kein Titel
Winfried Simon attackiert Stuart Pigott, immerhin einer der Welt-Weinpäpste, hart. Neben abwertenden Bemerkungen über Person und Charakter des Briten, geriert sich der Autor als furioser Verteidiger des Hochmoselübergangs. Zwar mag man es nicht goutieren, wenn Pigott - in britischer Überspitzung - dazu aufruft, Beck (symbolisch) auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen, aber sein Statement, dass "die Moselaner Schwierigkeiten damit haben, das Maul aufzumachen und offen zu sagen, dass sie die Brücke schlimm finden" enthält mehr als ein Körnchen Wahrheit! Es mag sein, dass Simon meint, die Entscheidung für den Brückenbau sei nach rechtstaatlichen Verfahren getroffen worden. Aber: Wenn er einen Beweis für eine breite Zustimmung zum Projekt darin sieht, dass kein einziges kommunales Gremium in der Region sich dem Bau widersetzt hat, dann zeugt das von einer nur geringen Kenntnis der Praxis in Gemeinderäten und Kreistagen: Ein Schweigen des Gremiums zu irgendeinem Sachthema bedeutet noch lange nicht Zustimmung! Wer sich in den letzten Jahren für das Thema interessierte, weiß, wie es gelaufen ist: In den Räten grummelte es, man fand die Brücke hässlich, aber es setzte sich die Meinung durch, dass sie wohl auch nicht schaden würde. Diese Einstellung hielt sich erstaunlich lange, obwohl bereits 2004 das Europäische Tourismusinstitut in Trier einen touristischen Rückgang im direkten Sichtbereich der Brücke von bis zu zehn Prozent prognostizierte. Aber genau diese Hoffnung - die Brücke würde wenigstens nicht schaden - wurde in den letzten Jahren zunehmend brüchig und ist nun, nach den Vorgängen in Dresden, St. Goar und St. Petersburg vollkommen obsolet! Der Antrag der Mosel auf Anerkennung des Unesco-Welterbestatus, wenn er 2012 oder 2016 gestellt würde, wird in Paris noch nicht einmal zur Prüfung angenommen, falls der Hochmoselübergang gebaut ist. Es gibt also genau zwei Möglichkeiten: Brücke ja, Titel nein - oder: Brücke nein, Titel ja! Der Wert der Auszeichnung "Welterbe" wird von Fachleuten als extrem hoch eingeschätzt. Entsprechend muss der Schaden, der durch die Nicht-Zuerkennung des Titels der Mosel auf Dauer entsteht, zu dem oben erwähnten zehnprozentigen Rückgang des Tourismus addiert werden. Herrn Simon sollte man schon zugestehen, eine Vorstellung davon zu haben, wie sich an der Mosel ein Minus von 25 oder 30 Prozent in Tourismus und Gastronomie auswirkt! Helmut Körlings |
Bei Nacht und Nebel zerstörtTV vom 12.07.2009 Die Nacht- und Nebelaktion an den Graacher Schanzen zeigt deutlich, wie ernst es der Landesregierung und ihren Straßenbauern mit einer "offensiven Informationspolitik" in Sachen B 50 neu und Hochmoselübergang ist. Als "offensiv" ist nur das rücksichtslose und unsensible Vorgehen gegen Natur, Landschaft und Kulturdenkmäler erkennbar. Leider ist die Zerstörung der Graacher Schanzen und des angrenzenden Wanderwegs zwischen Trarbach und Bernkastel nur ein erster schlimmer Schritt im Zuge des Autobahnbaus. Welche "Kompensationsmaßnahmen" haben sich Landesregierung und Regionalpolitiker ausgedacht, um die Zerstörung des Moseltals und der Natur auf dem Moselsporn zwischen Zeltingen-Rachtig und Longkamp auszugleichen? Sollen später im "Weinerlebnispark" am Brückenkopf großzügig gestaltete Tafeln aufgestellt werden, die zeigen, wie es dort früher einmal aussah? Wie will man getötete Wildkatzen und andere vertriebene Wildtiere "kompensieren"? Wie sollen die mindestens sieben Jahre Bauzeit mit Straßensperrungen, Dreck und Lärm im Tourismus und in der Gastronomie ausgeglichen werden? Und wie denkt die Landesregierung darüber, dass sie durch ihre Uneinsichtigkeit und Arroganz den Titel "Welterbe der Menschheit" für das Moseltal endgültig verspielt hat? Erschütternd ist dabei, wenn man im TV auf derselben Seite liest, dass unsere frisch gewählten lokalen Volksvertreter nichts Besseres zu tun haben, als um Pöstchen in den Gemeinderäten zu schachern, statt geschlossen gegen die begonnenen Zerstörungen anzugehen! Hans-Jürgen Belitz |
WeinerlebniszentrumTV vom 29.06.2009 Dem Moselliebhaber, dem der Atem stockte beim Anblick der computer-simulierten Hochbrücke bei Ürzig, wird wenige Zeilen weiter Trost zuteil: Da offeriert nämlich ein Konsortium aus Kreisverwaltung und Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues ein "Weinerlebniszentrum" am Brückenkopf. Es soll, als Trumpf-As aus dem Ärmel gezaubert, die erwarteten Verluste im Tourismus wettmachen. Ein Wunschtraum fern jeder Realität, wie sich zeigen lässt: Das Europäische Tourismusinstitut Trier, so liest man gleich darunter, rechnet mit einem Gästerückgang im "mittleren Sichtbereich der Brücke" von 10%. Das bedeutet: Setzt man - nur als Beispiel - die Summe aller Touristen in den Orten des Sichtbereichs pro Jahr mit 100.000 an, wäre ein Verlust von 10.000 Gästen zu verkraften, wobei diese Zahl noch mit der mittleren Aufenthaltsdauer ( in Tagen) zu multiplizieren ist. Dies ergäbe - bei sehr konservativer Schätzung - mindestens 30.000 Gästetage, die kompensiert werden müssten, wobei noch nicht einmal die Überkompensation eingerechnet ist, von der die Initiatoren träumen! Spinnt man diese Beispielrechnung weiter, müssten - bei 300 Öffnungstagen im Jahr - Tag für Tag 100 Besucher das Weinerlebniszentrum "stürmen". Eine geradezu hirnrissige Annahme, weil die Brücke zum weit überwiegenden Teil Autofahrer benutzen, die in geschäftlicher Mission unterwegs sind und in weniger als einer Minute über das Tal hinwegrauschen ohne es auch nur eines Blickes zu würdigen! Diese "Weinerlebniswelt" am Brückenkopf des Monstrums ist eine unausgegorene Idee und nur zu einem Zweck erdacht: Trostpflaster für diejenigen zu sein, die in der Nähe des Bauwerks in Gastronomie und Tourismus ihr Brot verdienen müssen. Mit Karl Marx zu sprechen: Opium fürs Volk! Helmut Körlings |
Stur die Augen verschließenunveröffentlichter Leserbrief zu einem Artikel des SPIEGEL vom 20.12.2008 zur Renaissance des Riesling-Weins (»Chateau global«) Schön, dass die Mosel so in Wert gesetzt wird. Mit Recht werden die einmalige Kulturlandschaft und ihr ebenso einzigartiger Wein weltweit geschätzt und geliebt. Völlig unverständlich dagegen, wie wenig das bei Landes- und Bundespolitikern zählt: So ziert sich das Land Rheinland-Pfalz beharrlich, die Mittelmosel als Weltkulturerbe vorzuschlagen - trotz der intensiven Bemühungen nicht nur vieler Menschen und Organisationen vor Ort, sondern auch des berühmten Weinjournalisten Stuart Pigott. Vielleicht - weil sie mit dieser Region anderes vorhat? Der Gedanke drängt sich geradezu auf: Denn mitten durch diese bildschöne Landschaft soll eine Fernstraße mit einem 167 m hohen »Hochmoselübergang« gebaut werden, was das Idyll zerstören, den Wert der Landschaft herabsetzen und Winzer und Touristiker in arge Bedrängnis brächte. Und warum? Um eine Fernstraßenverbindung zu konstruieren, die a) wegen vieler zweispuriger Engstellen gar keine ist, die b) nicht wirklich gebraucht wird, weil es so etwas inzwischen längst gibt - die Planung ist schließlich fast 50 Jahre al - und c) vor deren wahren Kosten - bedingt durch die überaus schwierigen geormorphologischen Besonderheiten des Moseltals - die Verkehrspolitiker stur die Augen verschließen. Vielleicht - so kann man nur hoffen - bringt ihnen das neue Jahr Erleuchtung.
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Die Finanzierung der B50neu mit Hochmoselübergang »steht« keinesfalls.TV vom 27.12.2008 250 Millionen Euro sollen die Verbraucher über Mehreinnahmen des Bundes bei der LKW-Maut für das Straßenprojekt berappen. Die restlichen 20 Millionen Euro zahlt der Bürger direkt über seine Steuern. Von einem Investor ist keine Rede mehr. Das finanzielle Risiko war offensichtlich zu groß. Wahrscheinlich werden die von der Landesregierung geschätzten 270 Millionen Euro bei weitem nicht ausreichen, denn diese Schätzung ist ca. zehn Jahre alt. Aber woher sollen in den nächsten Jahren Mehreinnahmen aus der LKW-Maut kommen? Haben die Herren Minister noch nichts von der größten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten gehört? Die Bahn rechnet 2009 mit einem Frachtrückgang um ca. 40 Prozent, der Verkauf an Nutzfahrzeugen ging im November gegenüber dem Vorjahr um mehr als 30 Prozent zurück, der Flugplatz Hahn steht kurz vor dem Aus. Diese Daten lassen eher einen drastischen Rückgang der Mauteinnahmen erwarten. Die Finanzierung des Brücken- und Straßenungetüms quer über Moseltal, Eifel und Hunsrück hinweg ist also weiterhin höchst unsicher und bleibt völlig ungeklärt! Unverständlich ist dabei, wie man nicht vorhandene Gelder schon verplanen und »ausgeben« kann. Schon fast kriminell ist es jedoch, dass man vorab mit dem Abholzen der Wälder in einem der schönsten Teile unserer Region beginnen will. Die von Anfang an praktizierte »Salamitaktik« mit der stückchenweisen Zerstörung der Natur soll leider skrupellos fortgesetzt werden. Der sofortige Ausstieg aus dem Projekt B50neu aufgrund der Wirtschaftskrise wäre für die Verantwortlichen eine »elegante« Möglichkeit, nach dem Flugplatz Hahn ein weiteres Desaster für Rheinland-Pfalz zu verhindern. Dr. Hans-Jürgen Belitz |
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Verkehrspolitische Wahn-Projekte
Gut so, dass sich mit Michael Willkomm ein führender Unternehmer von dieser Fehlplanung distanziert. Die Sache ist im Grunde ganz einfach: Wir können uns diese Straße nicht leisten, selbst wenn es einen gewissen Bedarf dafür gäbe. Bund, Land und Kommunen sind pleite. Mit immer neuen Schulden werden die Zinsen für die alten bezahlt. Diese Finanz- und Haushaltspolitik ist unverantwortlich. „Weiter so!“ geht nicht mehr. Die nun heraufziehende Weltwirtschaftskrise wird die Situation massiv verschärfen. Wie man angesichts dieser überaus prekären, ja fast aussichtslosen Finanzsituation, in diversen Amtstuben und Abgeordnetenbüros auf die Idee kommen kann, verkehrspolitische Wahn-Projekte der 60 Jahre, wie den geplanten Hoch-Moselübergang, unbeirrt und stur durchziehen zu wollen, ist für mich nicht nachvollziehbar. Ein hinreichender Bedarf für diese gigantische Brücke ist nicht darstellbar. Die Verkehrsströme laufen anders, wie der TV in seinem Kommentar ja auch feststellt. Ein privater Investor soll nun her. Nachdem aber alle Mautprojekte der Bundesregierung so grandios gefloppt sind, und angesichts der aktuellen Tristesse am Geldmarkt, dürfte diese Strategie sich ebenfalls erledigt haben. Holländische und belgische Gäste reisen gerne und viel an die Mosel, würden aber sicher bei Platten die B50neu verlassen um ins Tal zu kommen. Die Brücke bringt in diesem Sinne gar nichts für die Region, nur 8 Jahre Baustellenverkehr, Dreck und Lärm. Warum also dieses Beton- Monster in unsere herrliche Landschaft rammen und künftig touristisch stark nachgefragte Kultur- und Erholungsräume für immer zerstören? Damit ein Container 10 min schneller von Rotterdam nach Frankfurt kommt? Dass man, wie bei Wittlich, hektarweise allerbeste Ackerböden zubetoniert, wird uns dagegen in Kürze noch sehr bitter aufstoßen. Wer nun meint, die wegbrechende Konjunktur mit Baumaßnahmen stabilisieren zu müssen, dem empfehle ich die Beherzigung folgender Zeilen aus dem aktuellen „Manager Magazin“: „Schulen und Unis zu sanieren wäre gerade jetzt eine gute Idee; Straßen nach jahrelangem Planungsaufwand in die deutsche Provinz zu bauen, in Gegenden also, die demographiebedingt ohnehin Einwohner verlieren, ist hingegen eine schlechte. Japan, das nach Jahren der Konjunkturprogramme in den 90er Jahren mit absurden Verkehrsprojekten zugebaut wurde, taugt als abschreckendes Beispiel.“ Rudolf Trossen, Kinheim Rudolf Trossen |