Wir sind hier an einem sonnigen Septemberabend in einer der schönsten und hochgeschätztesten Weinlagen der Welt zusammengekommen. Durch die geordneten grünen Rebstockreihen schimmert die Mosel hindurch, die sich 150 Meter unter uns von Bernkastel-Kues nach Traben-Trarbach schlängelt.
Direkt über uns wird bald, wenn diese Dummheit der Landesregierung nicht noch abgewendet wird, der Himmel von einer Straße auf Stelzen in 160 Metern Höhe verdeckt sein. Wozu diese Schnellstraße? Es geht um eine wenig befahrene Straßenverbindung zu einem Flughafen, der Verluste macht. Der Flughafen Hahn im Hunsrück hat nur eine Fluggesellschaft: Ryanair, ein Unternehmen, das Freiflüge anbieten muss, um Kunden zu gewinnen, und ein langes Sündenregister von Erpressungsmaßnahmen gegenüber den Flughafenbetreibern aufzuweisen hat, diese aber selber oft genug im Stich lässt.
Lassen Sie mich erwähnen, dass ich auf eigene Kosten aus dem Urlaub mit meinen Enkelkindern im Süden Frankreichs hierher gekommen bin, weil ich schockiert und empört bin, dass es so weit gekommen ist, und ich befürchte, dass die Winzer des weltbesten Rieslingweines, der hier in idealer, einzigartiger Lage wächst, zu sehr entmutigt sind, um für ihr Weinerbe zu kämpfen.
Es ist so lange her, dass ich zum ersten Mal von den Plänen der Hochmoselbrücke hörte, dass ich es vergessen hatte. Gelegentlich spielen Politiker mit dummen Vorhaben. Als ich jedoch hörte, dass der Plan wiederbelebt worden war, konnte ich es nicht glauben. Ich habe langjährige Erfahrung mit Fehlern der deutschen Regierung bei der Weingesetzgebung. 1971 war ich hier und musste zusehen, wie katastrophale Gesetze die traditionsreiche Weinbaukultur fast zerstörten. Einen Vandalismus, wie er jetzt geplant ist, habe ich jedoch niemals für möglich gehalten - in Form einer Brücke über den wertvollsten und renommiertesten Riesling-Weinbergen.
Andere werden die Ausgabe von Hunderten von Millionen von Steuergeldern anprangern, für eine Straße ohne Verkehr zu einem abgelegenen Flughafen, dessen einziger Nutzer bekannt für brutales und zynisches Geschäftsgebaren ist.
Die Welt ist sich bewusst, dass nicht nachhaltige Industrien und zerstörerische Verkehrssysteme Fantasien einer früheren Generation sind. Die Politiker indes sind noch nicht aufgewacht. Rheinland-Pfalz dachte, es könnte aus Trümmern des zweiten Weltkriegs, dem alten US-Stützpunkt Hahn, Profit schlagen. Doch wer sagt, so etwas lasse sich nicht aufhalten, sollte sich den Flughafen Stansted in England ansehen, ebenfalls ein Flughafen Ryanairs. Nach 20 Jahren Planung und 3 öffentlichen Untersuchungsausschüssen hat sich das Vorhaben für eine zusätzliche Start-und Landebahn erledigt. Rezession und die globale Erwärmung haben unsere Sichtweise verändert, außer der der Landesregierung von Rheinland-Pfalz.
Lassen Sie mich einen Aspekt hinzufügen: Die Vorstellung, dass eine solche Brücke Touristen bringen würde. Werfen Flugzeuge die Touristen mit dem Fallschirm ab? Stattdessen wird der Verkehrslärm über Ihren Köpfen Sie Tag und Nacht verfolgen. Sie werden sich niemals davon befreien können.
Aber ich wollte vor allem über diese historische Landschaft sprechen, diese einzigartige Kultur, eine Weinbautradition, die mit Hilfe dieser Berghänge seit mehr als tausend Jahren so wunderbare Weine kreiert, die in der ganzen Welt gefragt sind.
Vielleicht sind Sie zu nahe dran, um es wahrzunehmen. Die vergangenen 40 Jahre waren der Mosel nicht wohlgesonnen. Als Grenzregion ist sie an den Rand gedrückt zwischen der blühenden Pfalz und Rheinhessen. Von London aus kann ich Ihnen sagen, dass die ganze Welt nichts hat, was mit dem Mosel-Riesling vergleichbar wäre. Die Neue Welt kann inwzischen mithalten und sogar Bordeaux, Burgunder, Weine aus der Pfalz und dem Rheingau kopieren. Das gilt nicht für die Mosel. Da alkoholreiche schwere Weine aus der Mode kommen, hat die einzigartige Leichtigkeit und Intensität der Mosel eine noch nie dagewesene Chance - begünstigt, das gebe ich zu, durch die Klimaerwärmung.
Haben Sie eine Ahnung, was für ein Juwel dieses kulturelle Erbe darstellt? Ich spreche nicht von Nostalgie oder älteren Touristen. Die Zukunft ist immer die der Jugend, der Enthusiasten, die wieder in die verlassenen Weinberge gehen, um dort ihre Träume zu verwirklichen. Sprechen Sie über diese Träume, kultivieren Sie diese Weine und sagen Sie es der Welt, dann kann die Mosel wieder zu ihrer Größe zurückfinden.
Politiker sollten die Einzigartigkeit dieser Region und der Menschen, die hier leben, fördern; die Arbeit von Jahrhunderten bedarf nach wie vor der Unterstützung und Werbung. Doch statt dem eigenen Land eine große Zukunft zu bereiten, wird es verschmutzt und verraten. Der Hochmoselübergang ist mehr als eine Torheit. Er ist ein Verbrechen. Das Beispiel von Dresden ist zu offensichtlich, um es zu übersehen. Die UNESCO hat den Welterbe-Titel zurückgezogen, weil die Regierung mit dem Brückenbau zu weit gegangen ist. Sehen Sie sich das Land vor Ihnen an und stellen Sie sich vor, wie es aussehen würde mit der erschlagenden Banalität einer Straße auf Betonstelzen.
Sie müssen kämpfen!